Monday, February 19, 2018

Dein Haar wasche ich


Dein Haar wasche ich mit Tränen
Es wellt sich, bettet mich
Verwirrt traumgetränkte Lider

Warte auf schmerzgestillten Morgen
Alle Brücken stürzen in sich
Mit ihnen stürzen alle Schlangen

Jeder Biss
Jeder toxische Moment
Fließt in einem Punkt zusammen

Alle atmen
Verbrauchte Luft in neuen Zügen
Die Reise geht nach nirgendwo

Doch atmen sie alle
Blick gen Horizont drängen sich
Wasser an die Ufer

Sunday, February 11, 2018

fern ab


nebenan pulp fiction, der moment
in dem sie finger
vor die augen legen

erinnert an den skaterpark
im hafenquartier
dort

lüfteten wir
durchtanzte nächte
aus schweißverklebten kleidern

in all den jahren
bleibt der eine
tag

ein wortgefüge
tätowiert
erinnerung

an längst verdorrte
aschewesen
heute nur noch narbe

vergessen im grafittiturm
blond und groß
mir haushoch überlegen

gab ich nach und blieb
schüchtern
zurück im park

fern ab von deinem
leben, fern ab von
deinem






Saturday, February 10, 2018

das genügte


ich träumte ........... von dir .......... mit wunde am kopf ....
........ großes narbenartiges geflecht, das es
zu verarzten galt, .............................. ich ohne kenntnisse
sollte das bewerkstelligen, ........ wie?

du kamst zu mir
das genügte

unser gespräch ein stakkatogebet

man sollte sie nach dir benennen
diese gabe des verschwindens mitten im text

mache daraus zeilen, die länger halten
als du

setze mich in die lücke, hinters ohr
verwanze dich sozusagen

während du mutig und hellwach
in aller frühe schläfst

nichts als erinnerungsfetzen
unser gespräch ein stakkatogebet

ziemlich genau weiß ich
nicht mehr als du

und baue darauf
dass irgendwann alles

einen sinn
ergibt

Saturday, January 27, 2018

Bis zu den Spitzen


Was auch geschah, war alles schon
-geschrieben, auf- und nieder- und
beugte mich der Überhand ein-
es gehörte zum Ritual
einer jeder guten
folgte dem blind
in den Schlafsaal
einer jeden guten
und schreibe mich
Stück für Stück
an den Haaren
bis zu den Spitzen
heraus.

aus Geschichten


Der Mond hat sich schon zigmal
um mich gedreht, Tage: ein Hämmern
gegen die Wand, der Kopf
wund, die Stelle in der Spanplatte
eine Mulde.

Fülle Neues mit Altem, leicht
abgewandelt ähnelte ein Tag
dem anderen, Seichtes
verschränkt zur Komplexität
in der Tiefe des Betrachters:

Zukunftsdystopien, robotisierte Bäume,
sich replizierender Blätterwald, es
sind Helden aus Geschichten, die wie Helden
in Kriege ziehen, um sich dann zu kovicieren.

Was lernst du? Alles und nichts. Spiegelwelten
verschränken sich schwarz 
in meinem Blick, verschwommen
wirkt die Wirklichkeit nach und wagt sich vor,
wagt sich zu behaupten in nichts weiter 
als dem Überlebenskampf, absolut und willentlich.

Es geht ums Nackte.


Sunday, December 31, 2017

How on earth


I could write a poem now about how it is to be with somebody or without; it doesn‘t really matter.
We started speaking again, though I know that I should really know better.

I told him about the tree and my walks in the forest at night. His reactions were calmer than ever before. I wasn‘t sure whether it was really him inside that body. We also didn't really speak about this, did we?

I‘m not able to stick to any of my plans. How on earth should I stick to a person. Still, my heart somehow sticks. I watch him embracing the tree and think it is ridiculous. Let‘s keep walking, please. I don‘t want to be.

All this leaves my blood thick and heavy. It takes effort to keep moving. We have to dance tonight, keep the heart light and afloat. I decide to shut my door, go to bed and sleep. Sometimes shutting the door is the best form of bonding.

In the morning things will be bright. And old. And gone. And still there, at the same spot with the same cruel presence crawling into my life. 

People become abstract creatures when you look at them too long. How to know myself without looking too long and coming to the conclusion that I don‘t exist while all that exists is I. 

There is no key. All there is is the moment and to be. 
Ha, now you made me hug that tree
though I explicitly said that I wanted to keep walking!





Migratory birds


We are speaking about crystals now.
Those that are speaking to god.

I believe in nothing and everything at the same time.
My chest a chiasm.
Its centre a tiny black spot.

You leave traces, breadcrums, I
follow secretly.

The metaphor of your existence
escapes me.

Memories are yellow.
I remember things that never existed.

Maybe this time I can stay
calm in between dreams.

It’s the last day of the year.
The atmosphere charged with prayers.

I want to scream, black lips
drink a river of champagne.

Sit with me and sing
the song that brings migratory birds
back home.










Wednesday, December 13, 2017

das haus nebenan schlägt leck


worüber denkt er denn? über
sterblichkeit oder un-
je nach gemütszustand vielleicht
die 8samkeit, innere mitte
obsessionen, verhaltenszwang

er kannte eine frau, die musste
zerschreddern und pressen
in aluminiumbehälter für längere haltbarkeit
versiegeln, alles, selbst kinder
spielen das lied vom
ewigen sitzen in bunkern
auf bänken in reihen, hintereinander
nebeneinander, übereinander gestapelt,
ausrichtung gleich, auf zentrierten punkt
im gefüge hat einer das sagen, am lautesten
brüllt der mit geringstem gefühl
für die anliegen momentaner konstellation
die anderen schweigen im superlativ

das haus nebenan steht in einem raum
leer und
immer an gleicher stelle, ist deprimiert
nutzt den luftzug für erzählungen
über stetig wanderndes nomadenvolk,
maulwurfshügel und kichererbsen
die sich über nacht verschwammen
irgendwo in tel-aviv
der zug trägt ferne gerüche heran
ächzende monologe helfen weiter
gluckern, heizkesselgesang, man könnte
eintritt verlangen und daraus
eine veranstaltungsreihe machen

aber davon will er nichts hören.
er hat wichtigeres zu denken.

als kinder rollten wir durchs zimmer der erwachsenen
und lachten dabei laut und aus vollem herzen
in die sprungfedern des ecksofas, wenn keiner schaute
analysierten wir die muster der teppichböden
und versuchten uns an der erzeugung
halbkreisförmiger regenbögen, lichtstrahlen
gehörten abgelenkt hinter schleiern zum
standardrepertoire einer jeden guten vorstellungskraft;
manchmal war es ernst mit dem spiel
der vorhang fiel und mit ihm das haar, das knie
blutend auf waschbeton, die schuhe zerschnitten

sei still. davon will er nichts hören.

welch großes wort. wie konnte
etwas so großes sich heimlich
ins wortgefecht schleichen. jetzt
bin ich ganz still, frage nicht
schaue nicht, bin ausgelaufen, leer
das haus nebenan schlägt leck,
alle kindheitserinnerungen
weggeschwemmt.

psst. er hat wichtigeres zu denken.
die organe lassen nach.
bald hört er nichts mehr.





In your cup


He says all the right things
it is not a hidden form of manipulation
still I fall

I fall and get up and dissolve
in your cup

People pass by
streets behind hills are very busy
at night

I hear footsteps
someone is very close now
if he sees me there will be questions

I hide
in all the things I said
I keep telling myself:

It was not a hidden form of manipulation
he said all the right things
still I fell 

and got up and dissolved
in your cup






Ama laf etmeye değmez.

Friday, December 08, 2017

Die Dame hinter der Scheibe


Irgendwo im hintersten Teil des Hinterkopfs, dort
unter beflügelter Fläche, dessen schützendes
Moos ich schon oft entwurzelte, gleichermaßen
aus Abneigung als auch Genuss, dreht sich
schwerer Mühlstein, dem Gedenken
einer Trauerfeier ebenbürtig, reibend.
Erinnerungsschwund, die Späne
sammle ich, bewahre sie in goldener Schale,
breite sie aus auf dem Altar der Niederkunft,
Rituale des Kummers,
Schmelztiegel der Erinnerung, undefinierbare Schwere, dazu
engelsgleicher Chorgesang, die Engel sind schwerfällig,
nicht Sopran, Bass durchdringt die Hallen, ein Wurmwesen
hat sich in mein Ohr genagt, mir
Ablenkung entsagt, mittlerweile die Fähigkeit,
bin schon seit langem infiltriert,
versklavt, ergeben, willentlich, wollte dich
um mich, selbst dann noch, als du schon längst
nicht mehr. Komplett abhanden. Du, mein Herz, ich.
Manchmal drehte ich mich nach hinten, aus Angst
du würdest vom Steig verschluckt. Nicht nur Vorahnung.
Musste mich zwingen, das Ab deiner Wesenheit nicht anzuzeigen. 

Die Dame hinter der Scheibe trug Uniform und riet mir ab. 

Ich probierte etwas Neues, druckte Mantis auf mein Kleid,
drangsalierte Wichtigkeiten, drängelte vor,
tat Dinge ab, und ihre Rolle, die Wiese jetzt ein Parkplatz,
der Bach eine Rinne, Abfluss verdreckter Details,
alles gehört ins Meer geschwemmt, der Ozean schluckt,
der große, tiefe, unergründlich treibt er irgendwann
alles auf und an, wir können uns nicht entziehen, alles rinnt.
Durch Netze, Filter, wir haben so viel eingebaut,
umsonst versprochen, am Ende ist alles Untergang,
Phoenix, Neuanfang. Ich wünschte.

Wednesday, December 06, 2017

o wishful

on some days my heart

cannot differentiate bloodlines
longing o wishful

destructive boiling inside my
very creature

that beats up

empty spaces in between love

Tuesday, November 28, 2017

inunseinander


wandeln wir in parallelwelten, on
and off mitaneinander vorbei - sprechen
wir auch, so inunseinander hinein
hören wir im anderen uns selbsteinander zu

Friday, September 22, 2017

whitish

I saw u sitting there
alone and covered in
patches of white fog
stitched together into
a coat of silences

who made them
and who collected them
those patches
warming you now
hugging you unscrupulously
do you know
the meaning of each patch

for this one
someone drowned
i know that for a fact
what happened
to someone else for that
one, sitting there, you
covered and hugged
in your coat of
whitish opaque fog





scrupulously in line

I tried reaching somewhere
getting etched was part of the story

back lashed by currents, strong
air blowing down deserted streets
alleyways zonder trees, storming

into my cup, coffee, steam
hot, brownish soup
spilling foam, stains
on my fresh white shirt

i crossed a hundred thousand seas
according to posts, signals
installed by someone, scrupulously
in line with an unscrupulous system

blindfolded, it takes billions of seconds
to reach understanding of one self

I tried rushing somewhere
in circles, ultimately realising something

being close to closing, slowly,
one of those damn loops, sometimes
it is fun, sometimes unreasonably scary

under one and the same
old, moody, boiling sun.




Thursday, August 17, 2017

not ready


all turns
thinly sliced
time lapses
incomprehensable futures
emerging
layers of paint
dried under fingernails
not ready
to be deluted
not ready
to be ordained

Monday, June 12, 2017

The details are blurred


I am watching your struggles to become one with your self and your others. Opening an office in your garden, which is sealed off now, no more consultation hours. Why did you open it? Just to demonstrate your right to shut it down? How can I take it serious now? Aren‘t we fooling ourselves? Aren‘t faked tears also a form of violence? Going through shit now doesn‘t mean we will be spared from it later. What are we trying to prove with our suffering? This time there‘s no culprit. There‘s only a complainer.

I am sleepless because suddenly thoughts sicker through the walls of my building. Beforehand I didn‘t even know that I had walls let alone a building. Now, after it got distinctively pointed out: what should I do with it, the walls, the thoughts, the building? Should I call it home or merely a house in a row of houses, in a colony, estate, settlement, maybe a neighbourhood? Take it for real, discernable, or dismiss it as one more illusion, fake news spreading confusion, a fungus eating my mind, my sanity. Every neighbourhood has its very own intricacies. A voice in my head trying hard to smart me out, keeps telling me that things only have the meaning we attach to it. Then, how real is your existence, mine? When I recall you, I recall your voice and the way you threw it into fire, my name and the idea of something I had misunderstood.

I remember looking at a piece of polished wood. The details are blurred. Lines adding up and turning into patterns. I remember a struggle to be close, soft advances in a battle with the need to stay on top of the game. I gave you my time as well, subjugated my will, made you my friend, you threw it all into the gutter. Our relation became the meaning you attached to it, existence inside a huge void spiraling down, turning me into nothing but dirt and spit, basic elements the entire world is made of. I crumbled, sensed a giant tremble, an earthquake bringing down an ancient place of worship. It took me months to recompose myself. These are forces no one can revolt, and still we try, because we are human and believe it is better to lose a struggle than to remain idle or dead. Remaining idle is an art of its own. Remaining dead the bigger part of the picture.

ganz anders


gestört von worten
bin ich
gestolpert
aus seinem erinnerungstief

einst ganz nah
in meine wiederholungsschleife
geflüstert
in die mulde im kopf, an der

sich gefühle entzünden und reiben
mich, auf und ab und auf, nicht

marionette aber fast, am faden
seidend, geführt
durch einen witz

nur keiner lacht, ganz ohne jojo 
war das nicht ganz ohne 

dich wäre ich ich
ganz (nicht kaputt)
anders (greifbar)

denken wir


wir leben als wäre nichts gewesen
die generation dazwischen überspringt

eine unregelmäßige rille im muster
des sonst gutbürgerlich angelegten steigs

nach vorn denken wir nicht weiter darüber
und hinaus und wundern uns später

über wunde punkte in schiefertafeln, die längst
dem whiteboard platz machen, überholt

und entsorgt, einschusslochartige bildungslücken
im schädel knackt es, wir entschuldigen uns

vom unterricht, stühle ran, licht aus, fenster zu
nach Haus, da ist es sicher, macht ignoranz nichts

aus
denken wir