Saturday, February 19, 2011

Wunschdenken

Lese an manchen Tagen Wolfgang Herrndorfs Blog, so auch heute. Arbeit und Struktur. Mitreißend sein ernster Humor. Seit Mitte Januar gibt es keinen Eintrag mehr. Ich kenne ihn nicht, sein Tumor tickt schon ziemlich laut. Er lebt, zumindest steht bei Wikipedia nichts anderes.

Ich hoffe, er füllt den Blog in Schüben. Erst schreiben, ein paar Szenen überdenken, vielleicht Namen streichen, dann veröffentlichen. Mein Wunschdenken. Hoffnung gibt es höchstwahrscheinlich nicht, vielleicht sollte es besser bald als qualvoll enden. Doch ich bin unverbesserlich, kann man da nicht noch was machen? Nein, kann man nicht. Falls er dies je liest, hoffe ich, dass er allein schon aus Trotz länger lebt. Aber wieso schreibt er nicht? Er veröffentlicht ganz sicher in Schüben ...

Bin jetzt in Kapitel vier; er hat eine Exitstrategie. Psychohygiene nennt er das. Ziemlich schlau, sollten wir alle häufiger betreiben, dann vergeudeten wir unsere Zeit nicht mit so viel Mist. Der Tod ist in seinem Blog allgegenwärtig, in meinem ist er es nicht, aber wer weiß. Mein Tod ist nicht weniger wahrscheinlich, seiner ist nur genauer prognostiziert. Spätestens wenn ich mit seinem Blog durch bin, ist er der Prognose nach tot. Ich bemühe mich, seinen Blog äußerst langsam zu lesen.