Friday, February 18, 2011

Impro

Bringe immer die Zugzeiten durcheinander. Musste letzte Nacht wieder eine Ewigkeit am Hauptbahnhof abhängen. Spiele dort mittlerweile Spielchen, Treppe rauf, Treppe runter, Rolltreppe, irgendetwas Warmes kaufen, manchmal Kaffee, gestern Pommes Mayo, schrecklich versalzen, lehne mich ans Seitengeländer, schaue den Zügen von oben beim Einundausfahren zu, dann umdrehen, Menschen sind immer unterwegs, die Leute wandeln nachts im Bahnhof fast im Schlaf,  Somnambulie, nicht nur nachts, die Kälte zieht an den Beinen hoch, hatte vergessen, mich warm genug anzuziehen, Jeans, Socken, Sneaker, Salz macht durstig, die Kioskschlange ist lang, Fußballfans, HSV, St. Pauli hat gewonnen, eine Cola für die Rückfahrt, für die Fans gibt's Bier, diese scheiß Fußballfans ruft einer, laufe einmal um den Bahnhofsblock, wo sind die Penner, ein paar schlafen immer in der Unterführung zur Innenstadt, heute ist da nur einer, über mir leuchten riesige Reklameschilder, Überladung bis zum Gehtnichtmehr, auf der Seite zur Kirchenallee gibt es ein Café, das mir vorher noch nie aufgefallen ist, sieht okay aus aber teuer, ist jetzt eh schon zu, im Fenster zum Zeitungsladen liegt eindutzendmal Psychologie Heute aus, sagt das etwas über den Zustand der Gesellschaft aus, ich versuche mit meinem Handy die nächtliche Bahnhofsstimmung einzufangen, gelingt mir nicht, werde später zu Hause alle Aufnahmen löschen, ausnahmslos. Endlich kommt der Zug.