Thursday, March 31, 2011

Am Tag der Tiere

Die Tiger starben aus, doch die Zebras wollten um jeden Preis überleben. Am Tag der Tiere versammelten sie sich am Wasserloch. Durstig nach anstrengender Reise trafen sie gemeinsam eine Entscheidung und trennten sich Stück für Stück von ihrer kostbaren Zeichnung: Jeder Schluck Wasser kostete sie einen Streifen. Es war heiß und schnell waren ihre Bäuche zum Bersten gefüllt, doch ihre Felle leerten sich, waren bald eintönig und grau, schon glich ein Zebra dem anderen, die Muster verschwanden. Einige nahmen es gleichgültig hin, andere mochten sich nicht mehr Zebra nennen. Wer waren sie denn ohne ihre Streifen?! Im Nachhinein wäre manch eins lieber verdurstet als in diesem Zustand zu leben; einige ertränkten sich.

Monday, March 28, 2011

Wednesday, March 23, 2011

Verführerische Melodie

Die Psyche ist ein Meisterwerk
Manchmal muss man tricksen
Damit sie nicht ins Abseits drängt
Sie schamlos überlisten
Ans Ohr sich legen Schmuck und Schmalz
Damit wir überhören
Was sie uns singt tagein tagaus
Um uns zu betören
mit Lakonie und Grausamkeit
Verführerische Melodie
Ich lass mich nicht beschwören
Nur ab und an da lausche ich
Ihren Engelschören

Tuesday, March 22, 2011

Märzgesang

Rote Ziegelsteine wärmen sich in der Morgensonne, der Kirchturm streckt sich müde über dem Tumult der Giebel, spricht unbeirrte Worte, Vögel ziehen darum schwungvolle Kreise, treiben in sanften Wellen auf und ab, lassen sich nieder auf dem Rücken der Stadt, aus Fenstern steigen ahnungsvolle Träume. Ich lehne mich vor, atme ihr Blau, lausche dem Wald in der Ferne, ein sanfter Hauch von Knospen weht an meine Stirn, weit unten in der Gasse zieht ein Mann seinen Hut, die Dame in Grau senkt verhalten den Kopf, versteckt ihr Lächeln im nächsten Hauseingang. Ein Schimmer überzieht Straßen und Nischen, lässt den Winter vergessen, was er eben noch suchte, und Esther legt wissend ihr schweres Haar über tiefrote Knie, singt dem Fluss ihr Lied alter Stunden.

Monday, March 21, 2011

Manchmal

In uns entspringt ein kleiner Moment, wächst heran
zur Efeuranke, schlingt sich um Gedanken,
überdauert Frost und Dürre, umwindet alle Schranken.
Was ist schon Zeit? Sie lässt sich nicht runden.
Nur manchmal gelingt uns ein Glühen
aus unzähligen Stunden, die sich
durch uns ranken und in uns erblühen
in diesem einen Moment.

Thursday, March 17, 2011

The Final

Walking bones on iron stairs
- forgetting they are human.
Breathing reflex in and out
- forgetting they are sleeping.
Thinking about life and death
 - is there any reason?
Wasting all the rest of it
on war and harmony
pointing pistols towards my head!
Is there any strategy
in doubt, love, fear, brutality
other than no reason?

Taubenhochzeit

Taube, Täubchen komm zu mir
Ich will dich ewig lieben
Das schwöre, schwöre, schwör ich dir
Die Liebe wird hier siegen

So komm, so komm und folge mir
Ich baue dir ein Nest
Und zu dem Nestchen schenk ich dir
Ein riesengroßes Fest

Ein Fest, ein Fest zu Deinen Ehren
Du trägst dein schönstes Häubchen
Wir werden uns ganz schnell vermehren
Du bist mein liebstes Täubchen

Geh ich einmal auf die Pirsch
Und jage für uns Krumen
So werde doch nicht gleich unwirsch
Ich bringe dir auch Blumen

Und macht ein andrer dir den Hof
So jage ihn hinfort
Denn andre Tauben find ich doof
und denk sogleich an Mord

Solltest du mich je betrügen
Mit einem andren Seelchen
Auf einem von den vielen Flügen
Dann pick ich in dein Kelchen

Ach Täubchen, ach wie schaust du mir
An mir wird es nicht liegen
Das schwöre , schwöre, schwör ich dir
Ich werd dich ewig lieben.

Bei Regen

Ich lebe in einer Stadt, in der bei Regen Menschen durch Gullischlitze fließen. Erst löst sich die Kleidung, dann ihre Haut, sie verwischen zu feuchten Aquarellen und strömen mit dem Regen in den Untergrund; dort ist es dunkel und kühl.

Frage mich, wie sie ihre Zeit verbringen. Träumen, fühlen, tanzen sie? Verspüren sie Hunger? Sicher ernten sie aus entgegengesetzter Richtung. Licht und Tageszeiten gibt es dort unten nicht. Immer sind sie durstig, Wasser ist ihre Sucht. Blind folgen sie dem Plätschern, in der Ferne wird es ein Rauschen. Die Sehnsucht nach Wasser treibt und zerrt sie, lässt niemals los.

Alle folgen dem gleichen Pfad durch die Dunkelheit weit hinab bis zum Fluss. Der ist schwarz und windet  sich. Sein Maul verschlingt jeden, der ihn berührt. Die Zerflossenen wissen darum und stürzen sich in die Finsternis, um zu ertrinken und mit der Strömung zurück an die Oberfläche zu treiben. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich so ist, doch erst gestern trieb ich zurück in die Straßen der Stadt, in der die Menschen bei Regen in den Untergrund fließen.

Tuesday, March 15, 2011

fractures of playgrounds

hair taped 
to walls covers shoulders
knocked out fingers 
draw maps on blind folders
for fractures of playgrounds
furnishing empty spaces
inside cities’ 
high walls of celerity 
that streak everything inside 
my clotted fabric

catch a fire

> erase >>>
blank – nor e wind >> all allnew
fire burns old soil 
- fuel my mind >
PULL IT; RIP IT OFF!
there#s#no#plug#to#hang#onto
cracks in cellophane give way for
drops>>pressing<< through
the system that doesn’t
add+up++

Thursday, March 10, 2011

Pursuit of happiness will never find an end.





deadlines


take dead lines
and turn them into ladies
with red lips
and feathers in their hair

drifting drone

caught in daydreams, talking in reverse 
till the sun sets 
in the morning over behives, 
I believe 
in golden eyes and silver lashes
taste seducing words of honey
swallow all their viscid sweetness
marble queen, I'm truly yours

Wednesday, March 09, 2011

Die Wanderschaft

Was ist die menschliche Seele, dass sie im Lieben und Leiden solch fatale Wichtigkeit sieht. Gewiss bleibt es in der Wanderschaft  nicht aus, von Zeit zu Zeit über Berge und durch Täler zu gehen. Doch will man nicht auf ewig erschöpft im Gasthaus verweilen, muss man sich von Anstrengung und Strapazen nach einer gewissen Zeit des Ruhens wirklich erholen.

the void

losing a friend to a lie
may hit harder than
losing a friend to death

both bring grief and despair 
one as companion of hate
one as companion of truthfulness

true friends’ love,
more sacred than
love of two lovers 
who are just lovers

a true friend stolen
by lie or by death
can't be replaced

still the void may be filled 
with kinship
that might never evolve
in light of old love

Tuesday, March 08, 2011

When we smile

What is a day without a sip?
Black coffee steamed the old way
White cream surrounding my lips
Innocence in every bit of it
Exploding savor behind closed eyes
Can I drink away world’s dreadfulness?
Enjoy the bitter taste of it?
How could I
with dreams
hammering
truth into me
Every night I see
truth that truly does not exist
Will we get away with it?
Or will we burn our tongues and lips
Cover our faces with blisters
All over and over and exit without doors
Pretending they do exist
Beauty lies within
Pull out all teeth till we lose the feel of it
Who needs teeth to sip black coffee?
Only when we smile
we sense something’s missing

Monday, March 07, 2011

Nach silbernen Fischen greifen

Sommerluft  schwappt schwerfällig ins Zimmer, Sirenengeschrei verfolgt Abgasfetzen, blaue Ziffern blicken lustlos in den Raum. Sonnenstrahlen werfen durch den Fensterspalt einen hellen Fleck aufs Laken, ich berühre ihn kurz mit den Zehenspitzen, ziehe schnell den Fuß zurück, er ist mir fremd, schmerzt, ein Stechen fährt durch meine Glieder und darin jeder Tag, jeder einzelne. Jede Woche, jeder Monat, jedes Jahr, jede Minute, jede verdammte Sekunde. 

In meinem Kopf rauscht das Brummen der Stadt, frage leise, wie viele Köpfe mit mir rauschen, sich vormachen, es sei das Brummen der Stadt. Um mich unzählbar Viele, die Nächsten getrennt durch eine schimmelnde Pappwand, ein Ameisenhaufen, ein schwitzender, schlafender, wachender, kopulierender, fressender, schreiender, gebärender, liebender, schmerzender, sterbender, weinender, lachender, stinkender, laufender, saufender, sich leidvoll windender - ich erwache mitten auf dem Schlachtfeld und berühre mit den Zehen für eine kurzen Moment das Licht auf weichem Rasen. 

Ich erinnere alles, erinnere Mich, reiße den Wecker aus der Stromzufuhr, werfe ihn an die Wand, töte sein unerträgliches Grinsen. Wie konnte ich daneben all die Jahre schlafen, konnte ich seelenruhig das Licht löschen, in einen Nebelfluss gleiten, dessen Strömung ich mich täglich nicht stellte? 

Feige bin ich, gehe mir selbst auf den Leim, verstecke mich jeden einzelnen Tag neu, nachts unter der Decke, tags in meiner Richtung, der ich unbeirrt folge, niemals umdrehen, niemals zur Seite sehen, niemals zu weit nach vorn, immer auf die Schuhe, auf die geleckten Lacklederschuhe, die verweichlichte Füße verstecken, auf die Schnürsenkel und ihre geknotete Entstellung, die ich geleitet durch Mutters Hand und Großmutters und jeden Tag aufs Neue binde und löse und binde. Alles ist klebrig.

Meine Spiegelung kenne ich, berühre das Glas mit den Fingerspitzen, küsse meine Lippen, ziehe mit der Zunge den Pfad durch Raum und Zeit, einen trügerischen Pfad, hier darf ich sicher sein, nicht zu viele Fragen stellen, vor, zurück, schon knietief immer im Kreis, zurück und vor im Schatten der riesigen Stadt, die sich dehnt und von allen Seiten drückt, jeden Moment droht sie auf mich einzustürzen. Ich lebe am Hang eines Vulkans, schaue nie nach oben, bin nicht vorbereitet, wenn die Wolke kommt, ein Schirm ist einziger Schutz, klammere mich daran und glaube fest an seine Wirkung. 

In meinem Spiegel blendet die Sonne, ich blinzel und denke an Heimkehr und Wiedersehen, kenne meine Pfade gut, jeden Schritt, jedes Hindernis, jeden Stein, jede Ecke, Straße, Ampel, Rasenfläche, Parkbank, Plakatwand, Baum, Schild, jede Nuance, jeden Schatten, jeden noch so unscheinbaren Neuanstrich. Das Material kenne ich nicht.

Meine Schritte pendele ich ein, meistere meinen Weg ohne zu halten, die Ampeln springen sofort auf Grün, die Bahn fährt immer gerade ein, abgesteckt, abgepasst, wenn ich sie verpasse, liegt es nicht an mir, kenne den Mann mit Hund und den mit Hut und Stock, kenne die Putzfrau, die Mutter mit Zwillingsmädchen, die sich auch von hinten unterscheiden, obschon alle sagen, man wisse nie, auch der Mann im Kiosk weiß Bescheid, meine Zeitung liegt bereit, ich ziehe passendes Kleingeld aus der linken Hosentasche. 

Still liege ich auf dem Bett, starre an die Decke, es gibt nichts zu zählen, meine Zeit steht, die der anderen kreist um meine Gedanken, die Zentrum sind und nicht vorhanden. 

Ein Meer aus Sand wiegt auf meiner Brust, drückt mich in die Kissen, Salzwasser fließt durch meine Lungen, hinterlässt kleine Kristalle, die sich an Ränder setzen, Spuren in Blasen, die mich irgendwann töten und sich dann selbst auflösen. 

Silberne Fische schwimmen über meiner Stirn, drehen ihre achtförmigen Schleifen, manchmal träume ich, mein Haus stürze ein. Meine Freunde schlafen mit mir unterm Dach und mitten in der Nacht kippt das Haus nach links, der Dachstuhl rutscht auf die Seite, ich laufe von meinem Zimmer in das meiner Freunde, sie schlafen noch, wie soll ich sie da retten? 

Die Fische schwimmen durch die Zimmer, stoßen nie an, schwimmen auch durch Wände, stören sich nicht daran, ob mein Haus steht oder fällt, bleiben ihrer Route treu und zeigen sich mir nur ausnahmsweise. 

Wenn ich nach den Fischen greife, umschwimmen sie gekonnt meine Hand, galant, als hätten sie schon immer gewusst, dass in diesem Augenblick meine Hand nach ihnen greife. Ich kann sie nicht berühren, versuche es nur noch selten, bin mir nicht sicher, ob es sie gibt. Ich sehe sie und ihre silbernen Leiber. 

Ich packe meine Sachen, verlasse das Haus, fluchtartig gehe ich auf Reisen, durchwandere von meinem Bett aus Kontinente und erahne meine Schwerelosigkeit. Die Kristalle in der Lunge sind einziger Anker, ohne ihren Druck strömte ich ins All und verlöre mich in Endlosigkeit. 

Wer weiß schon wohin? Ich gehöre zu dir, doch kenne dich nicht, frage manchmal nach dir, frage worauf du wartest, ist die Zeit nicht längst gekommen, oder bin es ich, der noch wartet? Würde so gerne nach dir greifen, doch wie ein silberner Fisch umschwimmst du mich, schweben wir  aneinander vorbei, ohne uns zu streifen. 

Der helle Fleck aus Licht fließt langsam übers Bett, noch kann ich ausweichen, bald lässt er mir keinen Winkel mehr, keinen Millimeter, auf den ich mich zurückziehen kann. Ich werde mich nach kühlem Schatten sehnen, mich erinnern an den kleinen Fleck Sonne am Rande des Lakens, werde in gleißendes Licht tauchen und niemals mehr schlafen und träumen wie zuvor, alles schreitet voran.

Saturday, March 05, 2011

Sleep Twitch

Butterfly flap your wings
Twitch my sleep of innocence
Avalanches bury dreams
Projected worlds on limpid screens
Unspooling endless flicks of night
No entrance, exit, safety break
While retrying to awake
Dreams ascent in early light
Illusions glimmer into ray
Do they melt or fly away?

Thursday, March 03, 2011

Wednesday, March 02, 2011

Frühling

Mit Blick auf vorüberziehende Schiffe am Fluss spazieren, 
im Boot übers Wasser gleiten, 
unter Bäumen auf Parkbänken stehen, 
Papierflieger in den Händen halten,
ziellos durch Straßen streifen, 
nachts tanzend den Weg nach Hause verlieren, 
den Tag erst beim Blick in die Sonne begreifen, 
Wolken verfolgen, auf Bäume klettern, 
Steine gekonnt übers Wasser schmeißen.
.אביב

Tuesday, March 01, 2011

living

living is
arranging collages
in time's poesy