Thursday, March 17, 2011

Bei Regen

Ich lebe in einer Stadt, in der bei Regen Menschen durch Gullischlitze fließen. Erst löst sich die Kleidung, dann ihre Haut, sie verwischen zu feuchten Aquarellen und strömen mit dem Regen in den Untergrund; dort ist es dunkel und kühl.

Frage mich, wie sie ihre Zeit verbringen. Träumen, fühlen, tanzen sie? Verspüren sie Hunger? Sicher ernten sie aus entgegengesetzter Richtung. Licht und Tageszeiten gibt es dort unten nicht. Immer sind sie durstig, Wasser ist ihre Sucht. Blind folgen sie dem Plätschern, in der Ferne wird es ein Rauschen. Die Sehnsucht nach Wasser treibt und zerrt sie, lässt niemals los.

Alle folgen dem gleichen Pfad durch die Dunkelheit weit hinab bis zum Fluss. Der ist schwarz und windet  sich. Sein Maul verschlingt jeden, der ihn berührt. Die Zerflossenen wissen darum und stürzen sich in die Finsternis, um zu ertrinken und mit der Strömung zurück an die Oberfläche zu treiben. Manchmal bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich so ist, doch erst gestern trieb ich zurück in die Straßen der Stadt, in der die Menschen bei Regen in den Untergrund fließen.