Tuesday, March 22, 2011

Märzgesang

Rote Ziegelsteine wärmen sich in der Morgensonne, der Kirchturm streckt sich müde über dem Tumult der Giebel, spricht unbeirrte Worte, Vögel ziehen darum schwungvolle Kreise, treiben in sanften Wellen auf und ab, lassen sich nieder auf dem Rücken der Stadt, aus Fenstern steigen ahnungsvolle Träume. Ich lehne mich vor, atme ihr Blau, lausche dem Wald in der Ferne, ein sanfter Hauch von Knospen weht an meine Stirn, weit unten in der Gasse zieht ein Mann seinen Hut, die Dame in Grau senkt verhalten den Kopf, versteckt ihr Lächeln im nächsten Hauseingang. Ein Schimmer überzieht Straßen und Nischen, lässt den Winter vergessen, was er eben noch suchte, und Esther legt wissend ihr schweres Haar über tiefrote Knie, singt dem Fluss ihr Lied alter Stunden.