Wednesday, April 27, 2011

Schemen ohne Raum

Manchmal, wenn ich aufwach', ist alles umher anders.

Mein Schatten hängt an der Wand, die Sonne friert in den Winkeln, mein Atem kondensiert an der Stille, vielleicht ist alles Traum, eine leichte Nebelwolke, in der ich als Tropfen hänge.

Ich spüre, ich bin wach und nicht allein. Wo ist der andere, von dem ich im Schlaf wusste, dass er neben mir schlief. Trübe Schemen huschen durch den Raum, fliehen durchs Schlüsselloch ins Nebenzimmer, ziehen ihn mit sich fort von mir.

Ich höre eine Melodie, sie kommt von unten, unter mir wohnt niemand, ein tiefes Summen, leise, kaum zu hören, ein Gong vibriert in meiner Brust und schlägt lautlose Wellen.

Irgendwo knarrt eine Diele, wenn ich aufblicke, ist dort niemand, schließe ich die Augen, höre ich sie deutlich, unheimlich, woher weiß sie, wann ich die Augen schließe, woher ich, ob ich wirklich höre? Ich bleibe reglos liegen und lausche mit halb geschlossenen Augen, überliste sie nicht.

Wie bekomm' ich den Schatten von der Wand, er gehört mir und regt sich nicht, egal wie sehr ich an ihm kratze. Wie lock' ich die Sonne aus den Winkeln, es ist kalt, und ich zittere ohne ihr Licht. Wie befrei' ich den Atem aus der Stille, bin taub für seine Tiefe, ersticke ohne seinen ruhigen Klang.

Manchmal, wenn ich aufwach', ist alles umher anders, und ich verirre mich, weil ich nichts erkenne, nur Schemen ohne Raum.