Tuesday, May 24, 2011

doppelknopf & minze

jeden tag versprichst du dir und machst dennoch weiter in deinem mantel mit der langen doppelknopfreihe, der offen nie richtig sitzt, so gehst du durch straßen bis zum hals verschlossen, damit alles seine ordnung hat, denn wo kämen wir denn hin, und du bist ohne richtung, und es gibt keine schilder nachts im park, nur männer auf parkbänken, die dir gern die richtung zeigten, doch du sprichst sie nicht an, du sprichst niemanden an, du sprichst nicht mal mit dir selbst, du lauschst, ob da was ist, und du hörst deine schritte auf reisig und schotter, und manchmal knacken kleine äste, das sind tiere im park sagst du dir, manche menschen essen aus körben und schlafen auf bänken denkst du als nächstes und schiebst es beiseite, denn du musst dich konzentrieren, schließlich ist es dunkel in diesem gottverdammten park, in dem männer auf bänken sitzen, und es nimmt kein ende, vielleicht läufst du im kreis, sieht alles so gleich aus, ansprechen wirst du sie nicht, mit fremden spricht man nicht, auf gar keinen fall, und so läufst du weiter vorbei, findest ihn nicht, findest einfach den ausweg nicht, der muss doch irgendwo sein, so ist das mit parks, die sind zum verwechseln, doch die dauern nicht ewig, und dann beginnt es zu regnen, und du flüchtest und bleibst stehen und wartest unter einem baum, darauf dass es aufhört, und du wartest, endlich aufhört, doch es ist gar kein schauer, es ist drei tage regen, und das blattwerk gibt nach, und du wirst nass, und es ist kalt, und du stehst da unter dem baum und zitterst und weißt nicht wohin, und bleibst einfach stehen, vielleicht kommt ja noch einer, aber es kommt keiner, und dann ist die nacht halb rum, und du wartest und zitterst noch schlimmer, es könnt ja noch einer, aber es kommt keiner, und du denkst wie es wäre, käme einer mit schirm und nähme dich mit und kochte dir tee, heißen tee mit minze, und plötzlich trinkst du minze und trinkst viel davon und alles schmeckt nach minze und alles riecht nach minze und alles ist minze, und du weißt, der regen weicht dich auf, doch du arrangierst dich damit, du saugst ihn auf und dehnst dich aus nach allen seiten, saugst dich voll, ein schwamm wirst du und lauschst nicht mehr und wartest nicht mehr, saugst nur noch und findest dich ab, woanders ist es auch nass, nach regen kommt sonne kommt regen, und du wirst älter und setzt dich auf bänke, und du isst aus körben und schläfst auf holz, manchmal erinnerst du dich, doch das sind blasse träume, und ab und an siehst du im augenwinkel ihre doppelknopfreihen, sie kommen immer häufiger, und du könntest ihnen alles sagen, doch sie sprechen dich nicht an, sie sprechen niemanden an, sie suchen nach dem ausweg und bald auch schutz vor regen, und manchmal schafft es einer, das hast du schon gesehen, im augenwinkel, glaubst du zumindest.