Wednesday, May 18, 2011

Stille lauschen.

Es ist laut, alles dröhnt, möchte mir die Ohren zuhalten, aber das macht es nur schlimmer, der Lärm kommt von innen, würde sich stauen, hielt ich mir die Ohren, platzte mein Kopf, so drängen die Töne durch die Muschel  nach außen und verpuffen an der Luft. 

Sitze im Garten wie auf der Baustelle, Vögel zwitschern, wirres Pfeifen und Klopfen, ein Presslufthammer versetzt Fasern ins Schwingen, meine Haare vibrieren, alles drängt hinaus, die Tiere hören nichts. Ich muss es ertragen, tagein, tagaus, egal wo ich gehe, stehe, sitze, liege, ans Schlafen ist nicht zu denken, ich bleibe jede Nacht wach. In die Falten unter meinen Augen hat sich ein Halbmond geklemmt. Ich altere, die Haare ergrauen, noch zupfe ich, bald bin ich nicht mehr Herr der Lage, für jedes Gezupfte wird ein Weiteres grau, sollte es lassen, kann aber nicht. 

Leute fragen, geht es dir gut. Ich sage nicht viel, höre kaum ihre Stimmen, kann die Worte von den Lippen lesen, werde besser darin, wenn ich spreche, bin ich mir nicht sicher, was ich sage, kann mich selbst kaum verstehen. Hätte gern einen Radioknopf. Off. Stille. Was gäb ich dafür. Doch an mir kann ich nichts drehen. 

Manchmal, sonntags, beruhigt sich der Lärm. Zwischen zwei und fünf. Ich liege dann wach und lausche. Eigentlich sollte ich schlafen, mich erholen für diesen kurzen Moment. Die Stille ist zu groß, ich darf sie nicht verpassen, ich bleibe wach und höre ganz genau hin. Die Stille sagt mir nichts, fragt mich nichts. Ich lausche. Sonst nichts.