Saturday, February 11, 2012

Äpfel im Morgentau

Äpfel tropfen noch vom Morgentau, Bäume halten reifen Atem an, während Vögel auf saftigem Astwerk sitzen, das im ständigen Richtungswechsel von Blatt zu Blatt überrundet wird. Ein Kater schläft in der Mulde, stört sich nicht an Läusen, die die Rinde und sich selbst unterhalten.

Und dann rief ich die Krähen, trainierte sie täglich drei Stunden, richtete sie regelrecht ab, mit Krähenfüßen auszuhacken, was im schwarzen Feld vergraben lag. In den Murmeln stecken Fingernägel, beim Spiel gebrochen, die du immer poliert, lackiert, an den Enden so fein geschliffen hast. Auch jetzt noch sind sie sicher vor dem Dreck, der die verlorenen Perlen beschichtet.

Eine Höhle zwischen Wurzeln diente als Versteck. Als ich nachsah, war alles geplündert. Ein Mader, ein Fuchs, vielleicht war’s ein Hund. Nur eine Locke, ein verblasster Schuh und die verwelkte Schleife, die jeden Tag das Haar umstreifte, blieben als Zeugen zurück.

Ich trug sie heim, errichtete einen Tempel, dem Gott der Glasperlen zu Ehren, opferte Haar und Seidenschuh. Was jetzt noch bleibt, ist die Schleife, sie hängt neben dem Kater im Geäst, und es bleibt der Baum, der alles trägt, was wir ihm vorgetragen haben, als die Welt schlief und Äpfel im Morgentau reiften.