Tuesday, April 21, 2015

Alles blau, alles gut

Lese Daniel Kehlmann’s Geister-Leseprobe, in der er das über beinahe aus unserem Gedankengut verdrängte Peter-Alexander-Spaßkultur-Filme sagt, was ich über Bollywood-Filme denke. Ich folge ihm auf Twitter, obschon er gar nicht tweetet. Nie. Nicht eine einzige Zeile seines Schriftstellertums fließt in das Soziale Medium. Und dennoch folge ich. Wie 150 weitere Follower. Followers. Ist doch ganz nett, jemandem zu folgen, der nichts zu sagen hat. Auf Twitter. Wir 151 machen ihn gleich um einiges sozialer.

Heute sagte mir Krishnamurti, man solle niemandem folgen. Es gäbe keine Pfade. Jedem sei der einzige Lehrer das eigene Ich. Dennoch folge ich, weil ich weiss, dass auch Krishnamurti falsch liegen könnte. Liegt er auch. Jeder und alles sind meine Lehrer, Gurus, Sri Wasweissich. Und genau das meinte er wahrscheinlich auch, und damit liegt er dann wieder richtig. Aber was weiss ich.

Amüsiere mich über Kumaré by Vikram Gandhi. Die Sehnsucht nach Spiritualität auf die Sptize getrieben. The true story of a false prophet, sagt der Untertitel. Ich denke eher, the false story of a true prophet. Sind doch alles falsche Propheten. Nur, dieser gibt es zu und zeigt auf, was in unserer Gesellschaft in leichter Schiefelage vor sich geht. Leichtgläubigkeit. Blauäugigkeit, Sehnsucht nach ... Stille, Frieden, Magie, Erklärungen, Übernatürlichkeit, Epiphanie ... Ich kann’s den Followern nicht verübeln. Alles ist möglich und warum denn auch nicht. Wenn das Folgen beim Follower das "blaue Licht im Inneren" entfacht, dann wird es zumindest nicht langweilig und grau. Ich folge jetzt 680 potenziellen Microbloggern auf Twitter. Alles blau, alles gut.