Thursday, April 30, 2015

Flaute haben

Heute um mich herum: Märchen, Mittelalter, Regionales. Extrem langweilige Literaturwisschenschaftsliteratur, atemnotverursachend staubig in der vorderletzten Ecke. Da ist noch ein Band von Goethe. Aber den öffne ich nicht.

Ich sitze zwischen den Regalen und versuche, online dem Professor zu erklären, warum das Ungleichgewicht gleichzeitig Ausdruck der Trägheit und auch Triebkraft der Notwendigkeit ist. Nebenan sitzen andere und diskutieren. Ich disktuiere nicht mit, habe mich entschlossen, mich rauszuhalten: einfach mal weghören und schweigen, gar nicht erst hinhören, stattdessen eigene Gedanken machen, oder die Gedanken schweifen lassen: in die Welt der Zwischennetze. Manche kleinmaschig und dünn, manche grob und durchlässig, die fangen mich trotzdem auf, wenn ich stur ins kalte Wasser spring.

Ich mache mich auch dünn, um nur ganz kleine Wellen zu schlagen, die dort, wo andere was zu sagen haben, an stillen Tagen, in zu hohe Luftsprünge umschlagen, unerträglich wie Räder auf dem Rasen unter blauem Sonnenhimmel, wenn mein Kopf sich dem Wetter nicht anpassen will. Bei mir ist wolkiger April. Heute habe ich überhaupt keine Fragen; ich möchte Fischer sein und Flaute mit meinen Antworten haben.