Was macht es mit einem, wenn man, der inneren Verpflichtung verschuldet, für
einige Zeit täglich im Vorübergehen demselben Eindruck ausgeliefert ist? In
diesem Fall, durch die freischwebende Aneinanderreihung farblich aufeinander
abgestimmter Photographien, dem Eindruck einer blauen Ästhetik Lampedusas. Auf dem
Weg durchs Foyer der Universitätsbibliothek, die Reste eines
Hoffnungsschimmers: Blaue Schiffstrümmerhaufen. Ich schreite schnell daran
vorbei, bleibe nicht stehen, bin in Eile, immer auf dem Weg woanders hin. Und
doch haben sie sich im Vorüber-Schreiten langsam ins Gedächtnis gelegt, diese
blauen Trümmer der Illegalität, haben sich verankert, hier und dort eine
Aufschrift, die man nicht lesen, aus der man keine Zusammenhänge herstellen,
keine Verbindungen ziehen kann mit Booten, die, getauft auf leuchtende Namen,
„Hoffnung“, „Verheißung“ und „Aussicht“ heißen, in diesem Moment fast heimlich aus
ihren Heimathäfen laufen. Die Trümmer einer Ohnmacht, heimatlose Körper, im
Wasser, unter Wasser, am Meeresgrund. Ich stehe ganz still im salzigen Blau. Um mich treiben 400. Es ist kurz vor Mitternacht. Ich höre mein Herz. Es
schlägt fest und stolpert nicht. Der Wärter kommt und schickt mich fort. Hier
werde gleich geschlossen, sagt er. Ich trockne mich kurz ab und gehe nach Haus.
Morgen komme ich wieder, um an den
Trümmern entlang erneut woanders hin zu laufen.