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Sunday, December 02, 2018

Was ich wollte


Es regnet in meine Brust

Pfützen sammeln sich an Stellen
die ich nicht kannte

Es schneit in meinen Bauch

Kugeln formen und scheiden sich
aus kalten Tunneln aus

Mein Knie ist eine Schnittstelle
Meine Lunge Krematorium
Im Ohr die Melodie einer Zunge

Ich entnehme die Glaskugel
und reiche sie dir

Alles, was ich wollte war Herzschlag


Thursday, November 08, 2018

ins rot


wollte mich ins rot
des waldes an der zeder 
versteckt lauschte ich
auf schritte im gebüsch saß 
ein einsamer mann 

sein blick lugte 
in mein gläsernes 
auge zerteilte
den vorhang und fiel 
hinter die bühne zerbrach
auf der anderen seite 
eilten jogger ins laub


Thursday, March 15, 2018

dazwischen versuchen wir


es wird stille sein und sie wird nicht 
bis an weniger verhangenen tagen 
du entscheidest licht durch lamellen in dein zimmer
wird dich niemand ertragen du bleibst 
ungesehen in deinem blendwerk wortlos
bis der tag die sonne besticht sie möge 
dein gesicht mit licht das jetzt in der ferne 
flutende polarnebel sacht fasse ich 
kaum deine hand entgleitet der stille und fällt
in einen traum aus tieferer stille berührt dein gesicht und fällt
in die schichten dazwischen versuchen wir uns
weiszumachen dass es uns gibt

Wednesday, March 14, 2018

ich schneie dich ein


ich schneie dich ein in mein kleid und lege
schützend kalten mantel um deinen körper
und knöpfe und zupfe gerade was faltig zur seite
steht die tür auf so dichte ich schnell ab
mit decken und tüchern einige aus warmen
ländern in denen kamele durch wüsten
schlendern von vorne fallen die höcker
zur seite prall gefüllt mit elixier dem
lebenssaft gemolken aus stuten in wäldern
kühen in ozeanen, karavanen sind pendler
im sommerkleid summen blumen frühlingsduft
in balken die ächzen unter dem gewicht
der schmelze mit der auch ich 
und lege mich nicht mit dir an den kamin
bis die wunde sich nicht mehr entzündet
an träumen und längst verheilten stunden


Friday, February 23, 2018

Im Innersten


Stapfe tiefer in den Wald
Hangel mich an Strahlen
Von Lichtung zu Lichtung

Verliere meine Sinne bald
An lebenssatte Qualen
Verliere auch die Richtung

Im Innersten liegt
Ein großer Satz begraben
Was stolz ich einst auf Fahnen schrieb
Wort um Wort nun Seitenhieb
Mein Herz lässt besiegt
Ein jedes seinen Anteil haben

Rotes Tuch auf grünem Grund
Bette mich auf feuchtes Moos
Lasse alle Leinen los
Die Schultern von der Last noch wund

Gleich dem Kinde schlafe ich
Umringt von weißen Linden
Auf dass doch einer finde mich
Wo keiner mehr zu finden


Sunday, February 11, 2018

fern ab


nebenan pulp fiction, der moment
in dem sie finger
vor die augen legen

erinnert an den skaterpark
im hafenquartier
dort

lüfteten wir
durchtanzte nächte
aus schweißverklebten kleidern

in all den jahren
bleibt der eine
tag

ein wortgefüge
tätowiert
erinnerung

an längst verdorrte
aschewesen
heute nur noch narbe

vergessen im grafittiturm
blond und groß
mir haushoch überlegen

gab ich nach und blieb
schüchtern
zurück im park

fern ab von deinem
leben, fern ab von
deinem






Saturday, February 10, 2018

das genügte


ich träumte ........... von dir .......... mit wunde am kopf ....
........ großes narbenartiges geflecht, das es
zu verarzten galt, .............................. ich ohne kenntnisse
sollte das bewältigen, ........ wie?

unser gespräch ein stakkatogebet

man sollte sie nach dir benennen
diese gabe des verschwindens mitten im text

mache daraus zeilen, die länger halten
als du

setze mich in die lücke, hinters ohr
verwanze dich sozusagen

während du mutig und hellwach
in aller frühe schläfst

nichts als erinnerungsfetzen
unser gespräch ein stakkatogebet

ziemlich genau weiß ich
nicht mehr als du

und baue darauf
dass irgendwann alles

einen sinn
ergibt

Saturday, January 27, 2018

Bis zu den Spitzen


Was auch geschah, war alles schon
-geschrieben, auf- und nieder- und
beugte mich der Überhand ein-
es gehörte zum Ritual
einer jeden guten
folgte dem blind
in den Schlafsaal
einer jeden guten
und schreibe mich
Stück für Stück
an den Haaren
bis zu den Spitzen
heraus.

aus Geschichten


Der Mond hat sich schon zigmal
gedreht, Tage: ein Hämmern
gegen die Wand, der Kopf
wund, die Stelle in der Spanplatte
eine Mulde.

Fülle Neues mit Altem, leicht
abgewandelt ähnelt ein Tag
dem anderen, Seichtes
verschränkt zur Komplexität
in der Tiefe des Betrachters:

Zukunftsdystopien, robotisierte Bäume,
sich replizierender Blätterwald, es
sind Helden aus Geschichten, die wie Helden
in Kriege ziehen, um sich dann zu exerzieren.

Was lernst du? Alles und nichts. Spiegelwelten
verschränken sich 
in deinem Blick, verschwommen
wirkt die Wirklichkeit nach und wagt sich 
vor, wagt sich zu behaupten in nichts weiter 
als dem Überlebenskampf, absolut und willentlich.
Es geht ums nackte.


Wednesday, December 13, 2017

das haus nebenan schlägt leck


worüber denkt er denn? über
sterblichkeit oder un-
je nach gemütszustand vielleicht
die 8samkeit, innere mitte
obsession, verhaltenszwang

er kannte eine frau, die musste
zerschreddern und pressen
in aluminiumbehälter für längere haltbarkeit
versiegeln, alles, selbst kinder
spielen das lied vom ewigen 
sitzen in bunkern
auf bänken in reihen, hintereinander
nebeneinander, übereinander gestapelt,
ausrichtung gleich, auf zentrierten punkt
 im gefüge hat einer das sagen, am lautesten
brüllt der mit geringstem gefühl
für die anliegen momentaner konstellation

die anderen schweigen im superlativ

das haus nebenan steht in einem raum
leer und
immer an gleicher stelle, ist deprimiert
nutzt den luftzug für erzählungen
über stetig wanderndes nomadenvolk,
maulwurfshügel, kichererbsen
die sich über nacht verschwammen
irgendwo in tel-aviv
der zug trägt ferne gerüche
ächzende monologe
gluckern, heizkesselgesang, man könnte
eintritt verlangen und daraus
eine veranstaltungsreihe machen

aber davon will er nichts hören.
er hat wichtigeres zu denken.

als kinder rollten wir durchs zimmer der erwachsenen
und lachten dabei laut und aus vollem herzen
in die sprungfedern des ecksofas, wenn keiner schaute
analysierten wir die muster der teppichböden
und versuchten uns an der erzeugung
halbkreisförmiger regenbögen, lichtstrahlen
gehörten abgelenkt hinter schleiern zum
standardrepertoire einer jeden guten vorstellungskraft;
manchmal war es ernst mit dem spiel
der vorhang fiel und mit ihm das haar, das knie
blutend auf waschbeton, die schuhe zerschnitten

sei still. davon will er nichts hören.

welch großes wort. wie konnte
etwas so großes sich heimlich
ins wortgefecht schleichen. jetzt
bin ich ganz still, frage nicht
schaue nicht, bin ausgelaufen, leer
das haus nebenan schlägt leck,
alle kindheitserinnerungen
weggeschwemmt.

psst. er hat wichtigeres zu denken.
die organe lassen nach.
bald hört er nichts mehr.





Friday, December 08, 2017

Die Dame hinter der Scheibe


Irgendwo im hintersten Teil des Hinterkopfs, dort
unter der Fläche, dessen Moos ich schon oft entwurzelte
aus Abneigung als auch Genuss, dreht sich
schwerer Mühlstein, dem Gedenken
einer Trauerfeier ebenbürtig, reibend. 
 
Erinnerungsschwund, die Späne
sammle ich, bewahre sie in goldener Schale,
auf dem Altar der Niederkunft, Rituale,
Schmelztiegel, Chorgesang, die Engel sind schwerfällig,
nicht Sopran, Bass durchdringt die Hallen, ein Wurmwesen
hat sich in mein Ohr gedrängt. 
 
,bin schon seit langem infiltriert,
versklavt, ergeben,  
 
wollte dich
um mich, selbst dann noch.
 
Komplett abhanden. 
 
Manchmal drehte ich mich nach hinten, aus Angst
du würdest vom Steig verschluckt. 
 
Die Dame hinter der Scheibe trug Uniform und riet ab. 

Ich probierte etwas Neues, druckte Mantis auf mein Kleid,
drangsalierte Wichtigkeiten, drängelte vor, tat Dinge ab, 
und ihre Rolle, die Wiese jetzt ein Parkplatz,
der Bach eine Rinne, Abfluss verdreckter Details,
alles gehört ins Meer geschwemmt, der Ozean schluckt,
der große, tiefe, unergründlich treibt er irgendwann
alles auf und an, wir können uns nicht entziehen, alles rinnt.
Oder fließt. 
 
Durch Netze, Filter, wir haben so viel eingebaut,
umsonst versprochen, Untergang,
Phoenix, Neuanfang. Ha, ein Witz. Ich wünschte.

Tuesday, November 28, 2017

inunseinander


wandeln wir in parallelwelten, on
and off mitaneinander vorbei - sprechen
wir auch, so inunseinander hinein
hören wir im anderen uns selbsteinander zu

Monday, June 12, 2017

ganz anders


gestört von worten
bin ich
gestolpert
aus einem erinnerungstief

einst ganz nah
in meine wiederholungsschleife
geflüstert
in die mulde im kopf, an der

sich gefühle entzünden und reiben
mich, auf und ab und auf, nicht

marionette aber fast, am faden
seidend, geführt
durch einen witz

nur keiner lacht, ganz ohne jojo 
war das nicht ganz ohne 

dich wäre ich ich
ganz (nicht kaputt)
anders (greifbar)

denken wir


wir leben, als wäre nichts gewesen
die generation dazwischen überspringt

eine unregelmäßige rille im muster
des sonst gutbürgerlich angelegten steigs

nach vorn denken wir nicht weiter darüber
und hinaus und wundern uns später

über wunde punkte in schiefertafeln, die längst
dem whiteboard platz machen, überholt

und entsorgt, einschusslochartige bildungslücken
im schädel knackt es, wir entschuldigen uns

vom unterricht, stühle ran, licht aus, fenster zu
nach Haus, da ist es sicher, macht ignoranz nichts

aus
denken wir




Saturday, March 11, 2017

Tiefer


Ich erinnerte dich
Es waren einmal
Du und ich, heute
Hochglanzbilder
Ermattet, vergilbte
Vergangenheitsformen
Höflichkeitsfloskeln
Satzbautürme
Es waren einmal
Du und ich, damals
Ein Fenster, angelehnt
Die Asche fiel
Neben den Becher
Deine Augen, tiefer
Der Regen
Du und ich
Neben einander
Du und ich
Die Augen tiefer
Der Regen
Am Fenster
Die Asche fiel
Es waren einmal

Geräumig, mein Haus


Wir sprechen wieder von Anfängen
Ersten Malen, ganz unschuldig
Aufs Neue, geräumig, mein Haus
Der Mond malt ein Lied für mich
Ich schaue ihm dabei zu
Warte geduldig auf den Morgen

Ins nasse Gras


Zog Stufen von der Decke
Während er die Saiten stimmte
Schluchzte in die immer gleiche Anfangsfuge
Nichts drang mehr an mein Ohr
Alles war jetzt viel zu weit
Gegangen, weiter noch als je zuvor
 
Ein Fremdes blieb stumm vor mir
Eine dunkle Pfütze längst vergilbter Schmelze
Reste nur, nicht mal mehr Erinnerung
Schwang einen Mantel Schnee um mich
Zu wärmen den frierenden Körper, Gestalt
An ihrer blauen Kälte

Darunter drängten Glöckchen
Verkündeten
Setzte mich ins nasse Gras
Lauschte
Dem rauschenden Fest
Dem vorigen Jahr

Vogelnester krallten sich 
An Zweige
Rutschte ab und krallte mich
An meterhohe Wellen
Zwischen Sonnenstrahl und Tümpelgrund
Tat sich ein Schlund auf
Im Stadtgartenteich 
Gibt es jetzt wohlgenährte Enten
Sie treffen sich
Sie treffen sich



Wednesday, March 08, 2017

Er ist nun ein Anderer

Sie rissen ihm die Haare vom Kopf
Kahlschlag im Morgentau
Der Winter hat die Bäume verschluckt
Hinter mir der Lärm von Sägen

Ich gehe mutlos heim
Der Wald steht still und traurig da
Bin wieder für mich allein
Er ist nun ein Anderer

Wednesday, August 05, 2015

Sommerabend

Ein goldener Kreis unter der Wunde
Ich übermale den Schmerz
Denke an loses Gefieder
Unter dunkelgrünen Weiden

Vertrocknete Atrappen
Waren einst der Blumenwiese Zier
Bleiben zurück als leblose Pappen
So manches Leben verdorrt zu Papier