Wednesday, December 13, 2017

das haus nebenan schlägt leck


worüber denkt er denn? über
sterblichkeit oder un-
je nach gemütszustand vielleicht
die 8samkeit, innere mitte
obsession, verhaltenszwang

er kannte eine frau, die musste
zerschreddern und pressen
in aluminiumbehälter für längere haltbarkeit
versiegeln, alles, selbst kinder
spielen das lied vom ewigen 
sitzen in bunkern
auf bänken in reihen, hintereinander
nebeneinander, übereinander gestapelt,
ausrichtung gleich, auf zentrierten punkt
 im gefüge hat einer das sagen, am lautesten
brüllt der mit geringstem gefühl
für die anliegen momentaner konstellation

die anderen schweigen im superlativ

das haus nebenan steht in einem raum
leer und
immer an gleicher stelle, ist deprimiert
nutzt den luftzug für erzählungen
über stetig wanderndes nomadenvolk,
maulwurfshügel, kichererbsen
die sich über nacht verschwammen
irgendwo in tel-aviv
der zug trägt ferne gerüche
ächzende monologe
gluckern, heizkesselgesang, man könnte
eintritt verlangen und daraus
eine veranstaltungsreihe machen

aber davon will er nichts hören.
er hat wichtigeres zu denken.

als kinder rollten wir durchs zimmer der erwachsenen
und lachten dabei laut und aus vollem herzen
in die sprungfedern des ecksofas, wenn keiner schaute
analysierten wir die muster der teppichböden
und versuchten uns an der erzeugung
halbkreisförmiger regenbögen, lichtstrahlen
gehörten abgelenkt hinter schleiern zum
standardrepertoire einer jeden guten vorstellungskraft;
manchmal war es ernst mit dem spiel
der vorhang fiel und mit ihm das haar, das knie
blutend auf waschbeton, die schuhe zerschnitten

sei still. davon will er nichts hören.

welch großes wort. wie konnte
etwas so großes sich heimlich
ins wortgefecht schleichen. jetzt
bin ich ganz still, frage nicht
schaue nicht, bin ausgelaufen, leer
das haus nebenan schlägt leck,
alle kindheitserinnerungen
weggeschwemmt.

psst. er hat wichtigeres zu denken.
die organe lassen nach.
bald hört er nichts mehr.